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30. Juni 2004: (Mündliche Verhandlung) im Gemeindeamt Waldegg

Ergebnisse der Emissons- und Immissionsmessungen

link zur Verhandlungsschrfit der NÖ Landesregierung < 013_amt_30_06_04.pdf >


Teilnehmer: 

Dr. Christoph Faimann /Amt der NÖ. Landesregierung
Mag. Andreas Pechter/ BH Wr. Neustadt
D.I. Herbert Beyer / Umweltanwaltschaft NÖ.
Dr. Werner Hann / Luftgüteüberwachung
Mag. Elisabeth Scheicher / Luftgüteüberwachung/Meteorologin
D.I. Reinhard Ellinger/Gutachter für Schwermetallbelastungen
D.I. Harald Rosenberger/Luftreinhaltetechniker
Univ.-Prof. Dr. Wurst/ TU Wien
Univ.-Prof. Dr. Schulte-Hermann /Krebsforschungsinstitut Wien
Werksleitung der Fa. Wopfinger (BauMit):
Ing. Ernstbrunner, D.I.Tisch, D.I.Philip
Bürgermeister Klesl
Redakteur Fuchs /Niederösterreichische Nachrichten (NÖN)
12 Anrainervertreter BIP


Aufgrund der seit Jahren von den Nachbarn der Wopfinger Baustoffindustrie GmbH vorgebrachten Beschwerden sind Untersuchungen der Betriebs-Emissionen und
Immissionen vorgenommen worden; die nun vorliegenden Ergebnisse und Interpretation der Fachleute werden vorgestellt.

1.) Bericht über die Ergebnisse der Immissionsmessung Juli 2003 - März 2004
2.) Bericht des Sachverständigen Univ.-Prof. Dr. Wurst, TU Wien (Luftmesstechnik)
3.) Bericht des Sachverständigen Univ.-Prof. Dr. Schulte - Hermann
      (Krebsforschungsinstitut Wien)

In der anschließenden Diskussion hatten Vertreter der BIP Gelegenheit, Fragen, die  nach den Vorträgen offen geblieben sind, an die Fachleute zu richten. Mit der Werksleitung und den Behördenvertretern wurde die weitere Vorgangsweise erörtert, wie die als unzumutbar empfundenen Immissionen reduziert werden könnten.

Auch wenn die Untersuchungen ergeben haben, dass die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte bei Emissionen/Immissionen im Durchschnitt eingehalten wurden, bestehen nach wie vor große Zweifel über die Langzeitwirkung und die gesundheitliche Unbedenklichkeit der emittierten Gase. 
Es ist dabei nicht gelungen, die Ursache und Natur des als besonders quälend empfundenen Geruches (Gases) zu klären

Auch die Fachleute können darüber nur Vermutungen anstellen. Nach wie vor ist seine Herkunft ungeklärt, sowie die Frage, ob dieses Gas giftig ist oder nicht!

Univ.Prof. Wurst erläuterte, dass seine Studie auf Messung der "üblichen Verdächtigen" 
(= Messung bekannter Gase) beruht, also auf Untersuchung jener Emissionen, die bei der Zementerzeugung üblicherweise auftreten, bzw. als gesundheitsschädlich erkannt worden sind. Über nicht gemessene Emissionsanteile und mögliche Wechselwirkung aus der Kombination verschiedener Gase können keine Aussagen gemacht werden.

Es wurden auch die lungengängigen PM 10-Feinstäube gemessen, sowie die Schwermetallbelastung der Immissionen. Die großen Mengen sichtbaren Staubes, die in der Umgebung des Werkes niedergehen, wurden als "diffuse Stäube" mengenmäßig nicht erfasst und daher auch nicht beurteilt. Zweifellos handelt es sich dabei um Stäube, die zu einem hohen Anteil aus Zement bestehen. Die ätzende (Laugen) Wirkung auf Sachgüter, Pflanzen und natürlich die Schleimhäute der Menschen und Tiere wurde seitens der Anrainer im Vorfeld der Verhandlung und neuerlich auch während der Verhandlung mehrfach aufgezeigt und mit Proben, bzw. Befunden belegt.

Die Meteorologin beurteilt die Luftgüte im ländlichen Piestingtal als "gut ins Bild der Situation in Niederösterreich passend". Wobei als Vergleich die Luftgüte von Städten herangezogen wurde. Sogar das deutsche Industriegebiet Nordrhein/Westfalen weist teilweise geringere Schadstoffbelastung auf, als die ehemalige "Sommerfrische" Piestingtal. ( < siehe link UBA Deutschland > )

Aus den Ausführungen von Univ.Prof. Schulte-Hermann ist zu entnehmen, dass seiner Meinung nach keine unmittelbare gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung durch die Emissionen aus dem Zementwerk zu befürchten ist, da sämtliche Immissionen der verschiedenen gemessenen Stoffe teilweise um Zehnerpotenzen unter den gesetzlich zulässigen Grenzwerten liegen.

Auch im Rahmen dieser Verhandlung haben Anrainer wiederholt darauf hingewiesen, dass die gesetzliche Grenzwertsetzung für industrielle Verbrennungsanlagen kritisch beurteilt wird.
Die Grenzwerte werden anscheinend nicht nach ihrer Unbedenklichkeit für die Gesundheit der Menschen festgesetzt, sondern nach wirtschaftlicher (!) und technischer Machbarkeit. Wieder verweisen Anrainer auf die unerklärbaren Unterschiede der zulässigen Höchstwerte bei Müllverbrennungsanlagen (100ppm NOx erlaubt) und bei alten Zementwerken (1.000ppm NOx, also das 10-fache erlaubt).

Bei den Stickoxiden erreichen laut Schulte-Hermann die gemessenen Werte noch am ehesten die Nähe der zulässigen Höchstwerte. Da es sich dabei sehr wohl um gesundheitlich bedenkliche Gase handelt, empfiehlt er der Werksleitung, etwas zur Absenkung der Stickoxidwerte zu unternehmen, damit sich der Abstand zu den erlaubten Grenzwerten bei diesen Stoffen vergrößert.

Mögliche negative Zusammenwirkungen verschiedener Gase, die auch der Auslöser für den immer wieder auftretenden störenden Gestank sein könnten, will er nicht ausschließen, da diese Wechselwirkungen nicht untersucht worden seien.

Seitens der Werksleitung wurde zugesagt, noch im kommenden Winter eine Entstickungsanlage im Zementwerk einzubauen, wodurch die Emissionswerte an Stickoxiden auf die Hälfte oder sogar etwas weniger reduziert werden können.

In der Betriebspause (Jänner/Februar) soll diese Anlage eingebaut werden und mit Beginn der nächsten Saison in Betrieb gehen. Dabei soll es sich um eine "nicht-katalytische" Reduktion von Stickoxiden handeln, bei der Ammoniak (NH3) in den Verbrennungsprozess eingebracht wird. 
Über Auswirkung und Umweltgefahren aus der Verwendung von Ammoniak konnten seitens der Werksleitung noch keine umfassenden Informationen gegeben werden. Auch die anwesenden Techniker äußerten sich dazu nicht, außer, dass Ammoniak im Prinzip ein umwelt-gefährlicher Stoff ist und daher entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen werden müssen.

Die Verwendung einer "katalytischen" Entstickungsanlage sei laut Aussagen der Werksleitung noch in der Testphase und zu teuer, weil beim Betrieb des Zementwerkes die Anlage zu schnell "verkleben" und somit funktionslos werden würde.

Ob die Errichtung dieser Entstickungsanlage das Problem des üblen Geruchs aus dem Zementwerk lösen kann oder wird, bleibt unbeantwortet, da die Herkunft des Gestanks auch den anwesenden Fachleuten noch immer ein Rätsel ist.

Im Anschluss schildern die Vertreter der BIP beobachtete Krankheitsbilder bei Menschen und Haustieren, Schäden an Sachgütern, wie Autos, Fensterbrettern, Glasflächen, usw. und betonen die herrschende tiefe Unzufriedenheit in der Bevölkerung, sowie die Forderung nach raschester Abhilfe betreffend:

1.) Geruchsbelästigung
2.) Hohe Stickoxidwerte
3.) Staubbelastung

Zusätzlich zur subjektiven Beeinträchtigung der Lebensqualität können seitens der anwesenden Wissenschaftler die fundierten gesundheitlichen Bedenken aufgrund beobachteter Krankheitsbilder nicht ausgeräumt werden.
Aussagen über mögliche Langzeitwirkungen durch die tägliche Belastung mit hohen Stickoxidwerten, Geruchsbelastung und diversen Stäuben konnten nicht gemacht werden.

Im Anschluss an die Diskussion haben die Teilnehmer der Sitzung ihre Stellungnahmen zu Protokoll gegeben.


< Pressemeldung NÖN KW28/2004 siehe oben unter "Pressestimmen" >

 

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